Auf der einen Seite stehen momentan bei Vielen Angst und ein Gefühl von Beklemmtheit, andererseits Lethargie, Lustlosigkeit im Vordergrund. Einigen macht nichts so richtig Spass.

Sehe im Video die detaillierte Erklärung, was in unserem in der aktuellen Situation im Gehirn passiert, und wie wieder zu mehr Lebendigkeit findest und dich stärkst, für was immer die Zukunft bringen möge. 

Katrin Bärtschi

Angst / Ängstlichkeit / Beklemmung:

Angst ist etwas Gutes. Sie macht uns darauf aufmerksam, dass eine bedrohliche Situation ansteht. Wenn es schnell gehen muss und eine unmittelbare Bedrohung ansteht, sorgt unser Lymbisches System dafür, dass Stresshormone in unserem Körper ausgeschüttet werden, dass wir schnellstmöglich flüchten, kämpfen oder uns totstellen können.

Wenn die Bedrohung zeit zum Nachdenken lässt, können wir jedoch analysieren, was die Ausgangslage ist, wie stark wir wirklich bedroht sind und was für Optionen wir haben. Der Teil in unserem Gehirn, der für Entscheidungen und für das Planen zuständig ist, ist der präfrontale Cortex.

Dass er das aber auch tun kann, braucht er Informationen. Das ist momentan das Problem. Niemand weiss genau, wie sich die Situation entwickelt, wie lange sie dauert, was die Folgen sein werden. Die Informationen sind widersprüchlich und unklar.

Und wenn wir uns zu stark und den ganzen diesen widersprüchlichen Informationen aussetzen, kann der präfrontale Cortex überfordert werden und sich quasi aufhängen wie ein Computer. Dann kann es sein, dass du plötzlich in immer wiederkehrenden Gedankenschleifen festhängst, die deine Angst verstärken. Und das über längere Zeit.

Das ist weder ein gutes Grundgefühl, noch gesund. Es ist purer Stress für deinen Körper.

Dein präfrontaler Cortex braucht also eine konstruktive Beschäftigung. Er muss nun rationell arbeiten können. Dazu 2 Möglichkeiten:

  1. Manage die aktuellen Risiken in folgenden Schritten:
    • Bestandesaufnahme: Notiere alle Risiken, die die aktuelle Situation mit sich bringt. Von Gesundheit über finanzielle Risiken, vielleicht Beziehungsqualität. 
    • Bewerte diese wie hoch deren Eintretenswahrscheinlichkeit und ein mögliches Schadenausmass. So erkennst du, um welche du dich kümmern solltest und welche du mal hintanstellen kannst.
    • Entscheide wie du damit umgehen kannst:
      • Vermeiden
      • Minimieren à in Eintretenswahrscheinlichkeit und/oder Schadenausmass
      • Outsourcen  (eine Versicherung dafür abschliessen)
      • Das Risiko akzeptieren

So gehst du die Situation proaktiv an, dein Unterbewusstsein spürt: Ah, da kümmert man sich um meine Signale, die Emotionen beruhigen sich und du bist nebenbei gerüstet für die Zukunft.

So fokussierst du dich auf das, was in deinem Einflussbereich liegt. Du kannst dort deine Energie reingeben.

Es gibt jedoch auch vieles, das du im Moment nicht beeinflussen kannst. Verschwende dort keine Energie. Fühle einmal in dich hinein, wie es wäre, die Verantwortung für Dinge, die du nicht beeinflussen kannst abzugeben. Loszulassen. Den Rucksack einfach auszuziehen, ihn hinter dir zu lassen.

Wie fühlt sich das an?

Wenn du möchtest, kannst du auch eine Liste machen, mit den Dingen, die du ab sofort loslässt. Und das in einem Ritual, einer Meditation, Selbsthypnose, oder wie auch immer loslassen, gehen lassen.

2. Plane deine Tage und plane ein längerfristiges Ziel

Dein präfrontaler Cortex liebt Planung. Es gibt ihm halt. Strukturen helfen uns momentan. Es ist verlockend, je nach Situation mal so in den Tag hinaus zu leben oder im Homeoffice bis spät abends nach Lust und Laune zu arbeiten und dafür auszuschlafen. Aber es ist schlecht für unsere Stimmung. Deshalb gebe dir schriftlich eine Tagesstruktur.

Plane auch ein längerfristiges Ziel, damit du wie einen Fixstern am Himmel hast, wenn der Rest im Moment so schwierig abschätzbar ist. Vielleicht hat sich aus deiner Risikoanalyse ja ein sinnvolles Ziel herauskristallisiert oder vielleicht gibt es etwas, das du schon lange umsetzen wolltest.

Lustlosigkeit / Lethargie:

Wir sind aktuell «Unterdopamint».

Dopamin ist ein Neurotransmitter, der für Motivation und Drive verantwortlich ist. Wenn wir reichlich davon haben, fühlen wir uns lebendig und geben Gas.

Normalerweise leben wir ein einer Welt, wo Belohnung überall zu haben ist. Wir können mit Freunden ausgehen, lecker essen gehen, unzählige Sportarten ausüben, unkompliziert soziale Kontakte pflegen, ins Kino gehen uns auf unzählige Arten bespassen.

Das wurde über Nacht runtergefahren. Aber unser Belohnungszentrum möchte stimuliert werden. Die Möglichkeiten sind aber eingeschränkt. Dennoch gibt es Dinge, die schnell verfügbar sind:

-kalorienreiche Snacks

-Alkohol

Diese wirken sofort und der Alkohol sehr stark auf das Belohnungssystem. Kurz. Danach fühlen wir uns jedoch schlechter. Weder eine gesunde noch eine wirksame Strategie.

Was macht mehr Sinn?

  1. Blümchen pflücken
  2. Lernen, Belohnung zu verschieben

Fangen wir mit Punkt 2 an:

Du hast dir vielleicht schon im ersten Teil ein knackiges, langfristiges Ziel gesetzt oder wirst es nun tun. Das bedeutet jedoch vorher Einsatz, und die Belohnung bei Erreichung muss noch etwas warten. Setze dir deshalb Teilziele. Und feiere die Erreichung jedes einzelnen. Nicht mit Alkohol, sondern mit guten Gefühlen. Hake das Teilziel ab, sei stolz auf dich, freue dich – lasse eine «Tschaggaaaa-Gefühl» aufkommen und mache das intensiv.

Und reise oft in Gedanken in den Moment, wenn das Ziel erreicht ist. Einfach die Augen schliessen, hineinfühlen, oder auch in einer Selbsthypnose oder Meditation. Reise in dem Moment, in dem du es geschafft hast. Fühle, was du fühlen wirst, nimm mit allen Sinnen wahr. Was nimmst du für Bilder wahr? Welche Menschen sind dabei, wie verhalten sie sich, was hörst du, reichst du. Mache alle angenehmen Elemente intensiv, die Farben leuchtend. Dann drehe alle guten Gefühle in deinem Körper hoch wie mit einem Regler einer Heizung. Vielleicht kannst du es mit einem speziellen emotionalen Song unterstützen. Geniesse!

Das stösst richtig Dopamin und andere Wohlfühlhormone aus. Nebst dem wird dein Unterbewusstsein so auf dein Ziel ausgerichtet und es wird dich dadurch viel einfacher bei der Erreichung unterstützen.

Dann zu Punkt 1: Den Blümchen.

Alle Tage präsentiert sich dir ein neuer Alltag. Die grossen speziellen Dinge bleiben dabei manchmal aus. Da hilft es:

Wie wäre es, dich mal mit deinem Partner aufzubrezeln und ein leckeres, hochwertiges Essen zu bestellen?

Sport ist nie einfacher zu integrieren als jetzt. Den Unterschied, den er auf deine Stimmung hat, ist riesig. Gönne dir danach eine schöne Dusche, am besten kalt. Ja. Kalt. Nebst der guten Tat für deine Zellgesundheit gibt das einen richtigen Kick. Einerseits durch die Kälte. Andererseits durch das Erfolgserlebnis. Alle Erfolge schütten Dopamin aus.

Deshalb hake alles ab, was du erledigst. Haushaltarbeiten, kleine Projekte fürs Geschäft, schwierige Gespräche die du erledigt hast. Jetzt ist die Zeit, für all das kurz eine Siegerfaust zu machen und mal laut «YESS» zu sagen.

Probiere es aus.

Viele Blümchen ergeben eine Blumenwiese. Und so bisschen Blumenwiese tut uns gut im Moment.

Und hier noch eine Möglichkeit, die unliebsamen Gewohnheiten in Blümchen zu wandeln:

Suche dir alternative Verhaltensweisen. Es ist schwierig, einfach mit etwas aufzuhören. Dann entsteht wie ein Vakuum. Ersetze sie mit etwas anderem.

Und was auch gut funktioniert sind Challenges. Sprich mache dir eine Challenge, mal einen Monat, oder 1 oder 2 Wochen keinen Alkohol zu trinken oder keine Schokolade oder nichts Süsses zu essen. Jeden Tag, an dem du es durchziehst, mache ein Kreuz oder einen Haken auf ein Blatt, das du gut sichtbar aufgehängt hast. Das ist jeden Tag ein Erfolgserlebnis und das bedeutet Dopamin. Und du wirst nebenbei auch schnell merken wie du besser schläfst, morgens frischer aufwachst und dein Energielevel steigt. Schonwieder «Tschaggaaa»!

Mit dem Fokus auf diese Dinge kannst du Fokus auf Lebendigkeit legen. Manchmal können wir uns dafür entscheiden, uns damit aufpumpen. Die Lebendigkeit in die Welt hinaustragen. Und sie kommt zurück. Genauso, wie wenn Angst in die Welt hinausgetragen wird. Wir können uns entscheiden.

Ich wünsche dir in dieser wilden zeit beste Gesundheit, alles Gute und immer wieder etwas Blumenwiese.